Ausstellung
Die Bilder hängen immer noch! 24 Stunden am Tag können Sie vorbei kommen und in unserem Schaufenster die Fotos anschauen und die Interviews studieren.
Von innen beobachten wir Tag für Tag so viele Interessenten, dass wir die Bilder bis zur nächsten Ausstellung hängen lassen. Mindestens also bis zum Jahresende 2010.
Rückschau Ausstellungseröffnung
Die Eröffnung der Ausstellung war ein voller Erfolg. Die Sonne war auf unserer Seite. Lilith spielte schöne, traurige Lieder. Der Kaffee von Emanuele Rogoli war köstlich wie immer. Und eine ganze Reihe Teilnehmer haben ihren Weg zu uns gefunden. Vielen Dank für Euren Besuch!


Die Ausstellung läuft noch weiter.
Kommen Sie vorbei. Schaufenster der Stralsunder Str. 61 / Ecke Brunnenstraße. “Öffnungszeiten” 0-24 Uhr täglich
Cecilio Patricio Troncoso Munoz

„Ich bin 1973 aus politischen Gründen aus Concepción, Chile, zunächst nach Argentinien geflohen. Dort habe ich Bautechnik gelernt, wurde aber nach fünf Jahren wieder von Unruhen in die Flucht geschlagen und landete schließlich in Deutschland – mit mir meine fünfköpfige Familie. Ich war 30 Jahre alt.
Die deutsche Sprache erwies sich als viel schwerer, als ich es für möglich gehalten hätte. Neben dem Deutschkurs hatte ich keine kontinuierlichen kollegialen Kontakte zu Deutschen, die mich die Sprache täglich gelehrt hätten. Die Konsequenz war leider, dass ich mein Studium der Anthropologie und Archäologie, das ich in Chile schweren Herzens unterbrochen hatte, in Deutschland niemals fortsetzen konnte.
Die praktischen Fähigkeiten, die ich in Argentinien erworben hatte, kamen mir in Deutschland in diversen Jobs zugute. Seit etwa fünf Jahren arbeite ich für ein Kulturzentrum. Ich habe einen Minijob als Hausmeister, aber meine Tätigkeiten gehen weit darüber hinaus. Ich arbeite sehr viel und sehr gern in unterschiedlichsten Belangen, diese reichen soweit, dass ich auch als Schauspieler in Theaterstücken oder in politischen, philosophischen Kreisen mitwirke. Sobald die finanzielle Lage des Kulturzentrums es zulässt, werde ich möglicherweise eine Festanstellung bekommen.
Ich halte es für eine fehlerhafte Entwicklung, dass intellektuelle und handwerkliche Arbeit meist getrennt sind. Ein wirklich vollkommener Mensch kann mit seinen Ideen und mit seinen Händen arbeiten. Das habe ich in meinem jetzigen Job gelernt.
Obwohl ich Mini- und 1-Euro-Jobs als eine Falle des Systems betrachte, sehe ich, dass in der Praxis die Ermöglichung des Tätigseins auf diese Weise für manchen die Rettung ist.
Wäre mein Leben in Chile so verlaufen, wie ich es ursprünglich vorhatte, so hätte es tatsächlich ähnlich kommen können, wie es heute ist: mit einer Stelle in einem Kulturzentrum – nur nicht im Gewand eines Hausmeister-Minijobs, eher als Mitarbeiter mit akademischer Grundlage.“
Gülcan Nitsch

„Mein Leben ist seit meiner Geburt geprägt von zwei Welten: Ich bin in Berlin geboren, als Säugling wurde ich in die Türkei geschickt. Ich habe dort bei meiner Großmutter in ihrem Dorf Salıbeyler in der Nähe vom Schwarzen Meer gelebt. Ein solches Schicksal hat in den 70ern viele Migrantenkinder getroffen. Damals gab es noch nicht so viele Kindergartenplätze und meine Eltern mussten arbeiten gehen. Ich habe zwei Jahre in der Türkei gelebt, bis mich meine Eltern zurück nach Berlin holten. Sie waren mir inzwischen fremd geworden, denn ich hatte sie in der Zwischenzeit nur einmal gesehen.
Gegen alle Widerstände habe ich mich schon als Kind sehr dafür interessiert, wie die Welt außerhalb meines engen Horizontes aussieht und wie das Leben ist. Ich bin jeden Tag in die Bibliothek gegangen und habe das Wissen verschlungen. Aber meine Wissbegier und mein Eigensinn machten mir das Leben in meiner Familie nicht leicht: Ich musste darum kämpfen, nach der zehnten Klasse weiter zur Schule gehen zu dürfen und nicht heiraten zu müssen. Als ich dann mit meinem abgeschlossenen Biologie-Studium nach Hause kam, war meine Familie stolz auf das, was ich geschafft hatte.
Nach dem Studium habe ich an der FU naturwissenschaftliche Lehrmaterialien entwickelt und Seminare für Schüler und Lehrer gegeben. Ich habe mich immer schon ehrenamtlich sehr stark für den Erhalt der Natur engagiert und in den Seminaren mit den Kindern wurde mir bewusst, welche Vorbildfunktion ich gerade als Deutsch-Türkin haben kann. Für die meisten Türken ist der Umweltschutz nur von geringer Bedeutung. Genau da habe ich meinen zunächst ehrenamtlichen und inzwischen auch beruflichen Schwerpunkt gesehen: In der Aufklärung und Aktivierung von MigrantInnen zum Thema Umweltschutz. Heute arbeite ich für den BUND sowie für die gGmbH co2online und leite zwei bundesweite Projekte zu diesem Thema.”
Céline Dedaj

„In Frankreich war mein Leben sehr karriereorientiert. Ich habe das deutsche Abitur gemacht, weil ich mich immer schon für die deutsch-französischen Beziehungen interessiert habe und einen Beitrag dazu leisten wollte, die beiden Länder näher zusammenzubringen. Danach habe ich auf einer Art Eliteschule internationale Beziehungen studiert. Als ich fertig war, hatte ich zwar viel gelernt und habe viel gearbeitet, aber nicht viel gelebt. Ich rutschte in eine Krise und beschloss, Frankreich zu verlassen und nach Deutschland zu gehen, um mich dort neu zu orientieren. Zuerst war ich als Praktikantin in Weimar und bin dann über eine Arbeit beim deutsch-französischen Jugendwerk nach Berlin gekommen. Eine Weile habe ich mehr gelebt als gearbeitet. Dann wollte ich meinen Tag aber wieder mit sinnvoller Arbeit füllen, also meine Fähigkeiten zu Kunden bringen, die selbst z. B. aus dem Bereich NGO kommen und ökologisch, sozial und wirtschaflich verantwortungsvoll agieren. Ich berate diese in Bezug auf interne Kommunikation und Arbeitsabläufe. Mir ist es wichtiger, für Kunden zu arbeiten hinter denen ich stehen kann und zu Preisen, die angemessen sind, als den nächsten Flachbildschirm zu kaufen und große Reisen zu machen. In meiner Familie väterlicherseits gibt es viel politisches Engagement, das hat mich sicher auch geprägt. Ich möchte gern in Berlin bleiben, eine Familie gründen und mit meinem Wissen meine eigene mittelständische Firma aufbauen.“
Reginaldo Pereira Lima

“Mit 17 Jahren bin ich aus Sao José dos Campos, Brasilien, weggegangen und bin fünf Jahre durch die Welt gereist. Ich war unter anderem in Kalifornien, Israel, Ägypten und dann in Europa. Über Italien und Finnland bin ich 1992 nach Berlin gekommen. Weil ich damals nicht wusste, dass ich so lange hier bleiben würde, habe ich gejobbt, um meine Miete zahlen zu können. Partys, Straßenfeste und gute Freunde aus allen Ecken der Welt haben mir geholfen, die harte Zeit ohne Beruf und Krankenkasse zu überleben.
Ich habe viele Jahre als Tischler gearbeitet, aber einen Berufsabschluss habe ich nicht. Die Arbeit in der Gärtnerei, die ich gerade mache, ist nur ein Job. Obwohl ich schon 43 bin habe ich noch immer in diesen Kampf ums Geld. Meine Frau und ich versuchen unabhängig von staatlicher Hilfe zu sein, so knapp wir auch sind.
Ich war immer total begeistert von den Spielplätzen hier. Auch als ich noch keine Kinder hatte, habe ich schon viel dort gespielt. Wenn in Brasilien ein Spielplatz gebaut wird, werden ein paar Bäume bunt angemalt und ein paar Bleche zusammengeschweißt. Dass da scharfe Kanten dran und tragende Teile total unterproportioniert sind, interessiert niemanden. Es passieren wahnsinnig viele Unfälle. Die Brasilianer sagen immer von sich, dass sie fröhlich sind. Aber es gibt keine Orte für Kinder und die Erwachsenen haben Angst vor der Gewalt draußen. Die Kinder gehen nicht raus, sondern sie sitzen zuhause und gucken Fernsehen ohne Ende. Viele sind blass und zu dick. Und darum habe ich schon sehr lange die Vision in Brasilien gute Spielplätze mit Sicherheitsnormen wie in Deutschland zu bauen. Mit Holz und hohem Spielwert. Zusammen mit einer brasilianischen Architektin, die Beziehungen zu einer NGO in Brasilien hat, entwickle ich gerade ein Konzept, um in größerem Stil in Brasilien Spielplätze zu bauen. Auf diese Riesengeschichte hoffe ich jetzt sehr.”
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Eröffnung der Ausstellung am 24. April 2010
Wir freuen uns, Sie/Euch zur Eröffnung der Ausstellung einladen zu dürfen
Samstag, 24. April 2010, 15 Uhr
Zentrale kulturgymnastik e.V.
Stralsunder Str. 61 (Ecke Brunnenstr.)
13355 Berlin Den restlichen Eintrag lesen »
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Ruben Sanchez

“Ich bin vor zwei Jahren nach Berlin gekommen, denn auf den Kanaren hat man als Künstler wenige Möglichkeiten sich zu entwickeln. Hier in Berlin gibt es viele Galerien und viel Kunstleben. Aber ich hatte keine Ahnung wie schwer Deutsch ist! Außerirdisch! Ich konnte mir zu Anfang im Deutschkurs nicht vorstellen, dass jemand in dieser Sprache wirklich sprechen kann.
Ich bin Maler und ich habe auch einen Hochschulabschluss als Saxophon-Musiker gemacht und in Kunstgeschichte promoviert. Meine Arbeit ist, was ich liebe. Das besondere der Malerei ist der langsame Prozess zum Bild. Wenn ich gestresst bin, dann male ich. Es gibt Leute, die müssen, um sich zu entspannen, ihre Arbeit beenden und etwas anderes machen. Bei mir ist es anders: es ist meine Arbeit, mit der ich mich wohl fühle. Das einzige Problem ist das Geldverdienen. Ich hoffe, dass ich einen Job im Kulturbereich finden kann. Dafür möchte ich noch einen Master in „Art in Context“ machen und hoffe sehr, dass die Bürokratie der Einschreibung an der Hochschule das nicht verhindert.”
Einzelausstellung ab 21.8.2010:
http://www.sonntags-club.de/02_highlights/index.html
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Maria Groß

“Mit 15 kam ich von der Wolga nach Deutschland. Meine Eltern sind Russland-Deutsche und haben auch in Russland nie richtig “dazu” gehört. Sie sprechen zwar russisch, reden aber oft “urschwäbisch”. Wie da drüben, fühlten wir uns anfangs auch in Deutschland als Außenseiter. In den ersten Jahren ging es für uns hier um die blanke Existenz und ich musste innerhalb von wenigen Monaten erwachsen werden. In Russland hatte ich sehr gute Noten, vor allem in Mathematik – hier haben mich anfangs wegen meiner holprigen Sprache alle wie ein Dummchen behandelt. Das hat meinen Ehrgeiz angestachelt: eigentlich niemand traute mir einen glänzenden Realschulabschluss zu oder die Ausbildung zur Technischen Zeichnerin oder das Fachabitur oder das Mode-Studium in Berlin. Ich habe mich durchgekämpft, und alles mit Auszeichnung hingekriegt.
Vor drei Jahren habe ich mich mit meinem Kindermode-Label mashamo:kids selbstständig gemacht. Mir ist wichtig, dass mein Label kommerziellen Erfolg hat – solange es keine Umsätze gibt, ist es pure Liebhaberei, finde ich. Und ich will aber meinen Beitrag für unsere Familie leisten. Mittlerweile habe ich zwei Modelabels, mein Mann macht gerade seine dritte Firma auf. Wir unterstützen uns gegenseitig. Ich glaube, wir ertragen keinen Müßiggang – auch bei unserer Freizeitgestaltung muss alles zackzack gehen. In Russland hätte ich mich niemals selbstständig machen können, ich wäre dort an Korruption und Brutalität im Geschäftsleben gescheitert. Das ist das Schöne in Deutschland – ich kann fleißig sein und werde dafür belohnt. Und es gibt Regeln für den Umgang miteinander, an die sich alle halten.”
Mathilde Lafabrie

“In Paris habe ich 20 Jahre als Trickfilm-Animatorin gearbeitet. Dann bin ich nach Berlin gegangen, weil mein Mann Berliner ist. Als ich mit meiner Tochter von Paris nach Berlin gezogen bin, habe ich erst weiterhin in Paris gearbeitet, denn es gab hier keine Jobs. Mein Umzug hat sieben Jahre gedauert, ehe ich in Frankreich richtig meine Zelte abgebrochen habe. Erst als ich 2008 mein Atelier in Paris aufgelöst habe, konnte ich anfangen mich in Berlin wirklich heimisch zu fühlen. Seitdem baue ich Mat’s Laden auf, meinen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. Ich komme aus einer Künstler-Familie und bin auch Künstlerin geworden. Für mich ist das Wichtigste an der Arbeit, frei zu sein. Freiheit im Sinne von Unabhängigkeit. Unabhängigkeit von allem. Auch von einem Mann, von überflüssigem Konsum oder von einem Arbeitsleben für die Rente. Man lebt für das hier und jetzt. Das ist es worum es geht.”
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Sehriban Özdemir

“Ich bin alleine vor sieben Jahren nach Berlin gekommen, um hier zu studieren. Vor dem Studium musste ich erstmal Deutsch lernen und mein Abitur noch einmal machen, weil mein türkischer Abschluss nicht anerkannt wurde. In Istanbul hatte ich bereits zwei Semester Sozialanthropologie studiert. Als meine musikalische Partnerin zurück nach Berlin ging, war das für mich der Auslöser, Istanbul zu verlassen, weil ich weiterhin mit ihr Musik machen wollte.
In Istanbul war ich politisch für kurdische Frauen aktiv. Und ich möchte auch perspektivisch beratend im Familien-Bereich tätig sein, da ich in der kurdisch- türkischen Gesellschaft einen großen Bedarf dafür sehe, weil sich in den letzten Jahren viel verändert hat.
Berlin ist eine große, schöne Metropole und im Vergleich mit Istanbul unglaublich ruhig. Vielleicht kehre ich irgendwann dorthin zurück, auch wenn es schwierig sein wird. In Berlin fehlen mir meine kulturelle Identität, meine Familie und Freunde, die Poesie meiner eigenen Sprache und die Spontaneität, die Vitalität, die Musik des Orients und die Sonne. In Istanbul fehlt mir das, was ich an Berlin schätze, z.B. die Möglichkeit, mich zurück zu ziehen.
Meine Mutter hat mir gesagt, dass Frauen nur mit einem richtigen Beruf eine Chance haben. Arbeit ist in meiner alevitischen Gesellschaft nicht in erster Linie mit Geld und Status verbunden, sondern mit Bildung und Wissen. So ist es auch für mich.”
Felicia Serwaah

“Ich bin 1990 aus Kumasi, Ghana, nach Berlin gekommen. Inzwischen habe ich Asyl hier. Ich war fünf Jahre nicht in Ghana. Das ist traurig. Mein ältester Sohn lebt dort. Deutsch ist sehr schwer. Ich habe nie einen Beruf gelernt. Ich arbeite in der Küche.”
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Gregor Groß

“Weil meine Eltern in der Kirche waren, durfte ich in der DDR nicht aufs Gymnasium. Also habe ich Maurer mit Abitur gemacht, das ging. Bevor es losging, passierte das Unglaubliche: Nur wenige Menschen sind in ihrem Leben Zeuge, wie ein System, das sie unterdrückt, vor ihren Augen zusammen bricht. Aus ständiger Allmacht wird einen Augenblick später ewige Ohnmacht. Und nicht nur das, erst die Wende hat meinen beruflichen Lebensweg ermöglicht: ich konnte im Ausland studieren. Heute bin ich Geschäftsführer in unserem Elektronik-Design-Familienunternehmen und habe drei weitere Firmen gegründet. Arbeiten heißt für mich Lernen, und das macht Spaß. Was mich aber am meisten an meiner Selbstständigkeit fasziniert: wenn ich sehe, wie meine Ideen umgesetzt werden.“
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Reza Rahmani

“Als ich zwanzig war bin ich ohne meine Familie aus Teheran, Iran, geflohen. Ich wollte nicht in den Krieg gehen und konnte mir unmöglich vorstellen im dortigen System mein Leben zu verbringen. Ich bin 1985 über Istanbul und die DDR nach West-Berlin gekommen. Gegen einige Widerstände habe ich Abitur gemacht und Maschinenbau studiert. Das Arbeitsleben in der Ingenieurabteilung eines großen Unternehmens hat mir aber gar nicht entsprochen und ich wusste, dass ich noch einmal etwas Neues machen muss. Ich wollte Verantwortung übernehmen und etwas positives in der Gesellschaft bewirken. Ich habe mich schließlich entschlossen, Lehrer zu werden. Das Referendariat war sehr hart, aber ich habe gekämpft. Jetzt unterrichte ich in verschiedenen Bildungseinrichtungen. Und was mich sehr glücklich macht: ich unterrichte an der Uni. Das ist meine Welt.”
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Anna Krenz

“Ich habe in Poznan und London Architektur studiert. Es klingt banal: ich bin nach Berlin gekommen, weil ich mich verliebt habe. Hier hatte ich dann erstmal viel Zeit und konnte tun, was ich schon immer machen wollte: ich habe angefangen Kunst zu machen. Nebenher arbeite ich als Grafikerin und schreibe für polnische Fachzeitungen über Architektur, um Geld zu verdienen. Außerdem haben wir vor sechs Jahren eine Galerie in Kreuzberg eröffnet. In Warschau ist alles viel härter, viel teurer. Ein solches Leben wäre dort in dieser Form nicht möglich.”
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Tatiana Villani

“Ich komme aus Sternatia Lecce, Süditalien. Ich bin Malerin und Kunsttherapeutin. In Berlin ist es gut als Künstler zu leben. Es ist viel billiger als in Italien und es passiert viel. Aber ich habe nicht geglaubt, dass es so schwer ist Deutsch zu lernen. Manchmal arbeite ich als Kunsttherapeutin in Viareggio, Italien. Es ist anstrengend, an zwei Orten nicht richtig zu wohnen.”
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Jacek Slaski

“Als ich sieben Jahre alt war, entschlossen sich meine Eltern mit mir von Polen nach Deutschland zu flüchten. Sie waren in Danzig Mitglieder der Solidarność und wurden verfolgt. Bei meinen Eltern gab es im Gegensatz zu vielen anderen Flüchtlingen mit akademischem Hintergrund eigentlich keinen sozialen Abstieg durch die Migration. Ich glaube, dass die Polen sich hier gut integrieren können. Polen und Deutsche sind sich letzten Endes doch sehr ähnlich. Ich habe mein Studium nicht beendet, bin jetzt Journalist und betreibe diese nicht kommerzielle Galerie, was in kaum einer anderen großen Stadt so geht. Wir wollen die Vermittlung von polnischer Kunst voranbringen.”
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Alikhan Hayat

“Ich komme aus Beirut, Libanon. Dort habe ich Näherin gelernt und tolle Kleider für reiche Leute gemacht. Ich bin vor 30 Jahren aus dem Krieg nach Berlin geflohen und habe hier sieben Kinder bekommen. Die sind schon aus dem Haus. Jetzt will ich arbeiten. Egal was. Kochen, sauber machen. Seit zwei Jahren arbeite ich als ABM in dieser Küche. Ohne Arbeit ist es langweilig und einsam.”
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Chuy You Phow

“Ich bin Französin mit chinesischer Abstammung. In Battambang, Kambodscha, bin ich geboren. Auf Grund des Bürgerkriegs in den 70er Jahren bin ich mit meinen Eltern und Geschwistern aus Kambodscha geflohen. In Ostfrankreich bin ich in den Bergen, in der niedlichen Stadt Besançon, aufgewachsen. In Kambodscha hätte ich niemals studieren können, deswegen sagten mir meine Eltern in Frankreich, ich müsse kämpfen, um meinen Platz in der Gesellschaft zu verdienen. Ich solle es einmal besser haben – ein guter Beruf, Erfolg und genug Geld. Vor 8 Jahren habe ich Frankreich für Deutschland, wovon ich als Kind geschwärmt habe, verlassen. In München hätte ich Karriere in einem großen Konzern machen können. Nun, was heißt Karriere und Geld, wenn ich nicht mal die Zeit und die Kraft habe, mich mit meinen Freunden zu treffen und das Geld auszugeben? Jetzt lebe ich in Berlin, habe mich selbstständig gemacht und versuche, all meine Lebenserfahrung und meinen Marketingberuf miteinander zu verbinden und in etwas Gutes zu verwandeln.”
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Selma Mujcin

“Ich bin in Bosnien geboren und mit zehn Jahren während des Krieges dort nach Berlin gekommen. Als ich mit der Schule fertig war und eine Ausbildung machen wollte, habe ich keine Arbeitserlaubis bekommen. Darum habe ich dann Abitur gemacht. Meine Mutter war sehr stolz, sie wollte dass ich studiere. Aber ich wollte nicht so lange auf einen Studienplatz warten und bin Erzieherin geworden. Jetzt freue ich mich jeden Tag auf meine Kollegen und meine Arbeit mit den Kindern. Auch wenn die Bezahlung nicht der verantwortungsvollen Aufgabe entspricht: Ich habe meinen Traumjob gefunden.
Meine Eltern haben zwölf Jahre lang keine Arbeitserlaubnis bekommen. Sie haben in Deutschland nicht mehr gearbeitet. Das ist hart für sie. Mein Vater war Schlosser, meine Mutter Hausfrau. Wir hatten Land und Tiere in Bosnien, sie hatten viel zu tun. Ohne Arbeit ist es nicht schön. Meine Eltern haben beide geweint, als es keinen anderen Weg mehr gab als zum Sozialamt zu gehen. Früher in Bosnien hatte jeder Arbeit. Als Kind wollte ich Frisöse werden. Mein Onkel hatte einen tollen Frisör-Laden. Die Männer, die dort arbeiteten, waren so schick und gepflegt.”
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Erwachsene Teilnehmer
Wir danken unseren Teilnehmern, die sich bislang beteiligt haben:
Alikhan Hayat
Anna Krenz
Cecilio Patricio Troncoso Munoz
Céline Dedaj
Chuy You Phow
Emanuele Rogoli
Felicia Serwaah
Gregor Groß
Gülcan Nitsch
Jacek Slaski
Maria Groß
Mathilde Lafabrie
Mohammad El-Masri
Reginaldo Pereira Lima
Reza Rahmani
Ruben Sanchez
Sehriban Özdemir
Selma Mujcin
Tatiana Villani
Youssef Rabbaoui
Und wir freuen uns auf weitere Termine mit weiteren Teilnehmern:
Alev Deniz
Fidel Faly
Wenn Sie ebenfalls für ein Foto und ein Interview bereit stehen, melden Sie sich. Wir freuen uns!
Jugendliche Teilnehmer
Ab der zweiten Januarhälfte werden wir mit einer ganzen Menge Workshops in der Bildungseinrichtung Puk a Malta aktiv. Wir freuen uns auf die Jugendlichen, die wir dort treffen, und hoffen auf ihren kreativen Input.
VHS Mitte
Heute haben wir das Projekt in der Volkshochschule Mitte im Deutschkurs vorgestellt. Wir hoffen sehr, dass einige, die wir dort getroffen haben, uns eine Mail an info@kulturgymnastik.de schreiben und demnächst für ein Interview und ein Foto bereit stehen.
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Wir suchen Teilnehmer!
Möchten Sie uns buchen? Wir kommen in ihre Klasse oder Gruppe und arbeiten bei Ihnen mit Jugendlichen zusammen.
Möchtest Du Fotos machen und/oder Interviews führen? Hast Du Interesse teilzunehmen? Bist Du zwischen 14 und 24 Jahren? Dann melde Dich unter info@kulturgymnastik.de oder 0178-1879772 bei Stefie Steden. Wir finden einen Termin, der Dir passt!
Erzählen Sie uns Ihre Geschichte? Dürfen wir Sie fotografieren? Das wäre wunderbar! Dann melden Sie sich unter info@kulturgymnastik.de oder 0178-1879772 bei Stefie Steden. Wir finden einen Termin, der Ihnen passt!
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Start
Im Augenblick bereiten wir das Projekt vor. Das heißt in erster Linie, dass wir Teilnehmer suchen. Einerseits suchen wir nach jugendlichen Akteuren im Umfeld unserer Zentrale, in Schulen und in Jugendzentren, mit denen wir kooperieren. Die Jugendlichen werden später Interviews führen und Fotos machen.
Außerdem suchen wir erwachsene Projektteilnehmer.
Haben Sie einen Beruf? Oder einen Job? Was war/ist Ihr Traum?
Zeigen Sie uns wer sie sind! Erzählen Sie uns, wer sie wären!
Kennen Sie Menschen mit bemerkenswerten Biografien? Oder möchten Sie unsere Projektinhalte im Angebot Ihrer Einrichtung aufgreifen?
Bitte schreiben Sie eine Mail an info@kulturgymnastik.de
oder rufen Sie an 0178-1879772
Vielen Dank!!!!
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Emanuele Rogoli

“In Bari in Italien war ich Barmann. In Berlin arbeite ich für die Verbesserung der Kaffeekultur. Meine Tochter sagt immer ‘Papa, du musst mehr deutsch lernen!’”
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Kontakt
kulturgymnastik e.V.
Zentrale
Stralsunder Str. 61
13355 Berlin
Tel: 0178-1879772
info@kulturgymnastik.de
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Die Förderer
Das Projekt wurde gefördert von Aktion Mensch / diegesellschafter und durch die Initiative ‚steps-into-future’, im Rahmen des Landesprogramms jugendnetz-berlin.de. Wir danken für Ihr Vertrauen und die finanzielle Unterstützung!
Wir danken allen beteiligten Jugendlichen der Bildungseinrichtung Puk a Malta gGmbH.
Wir danken der VHS Mitte dafür, dass wir das Projekt in Deutschkursen vorstellen durften.
Wir danken der Mittelpunktbibliothek Adalbertstraße, dass wir die Räume nutzen durften.
Wir danken Emanuele Rogoli für seinen köstlichen Kaffee.

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kulturgymnastik e.V.
Wir planen und realisieren Kunstprojekte, um uns für eine Gesellschaft aus selbstständigen und verantwortungsbewussten Menschen einzusetzen. Wir kooperieren mit Schulen, Kultur- & Jugendzentren. Den restlichen Eintrag lesen »
Das Konzept
Foto-Projekt um bewegte Arbeitsbiografien: Es gibt viele Berliner, die einen Job haben, den sie nicht eigentlich gelernt haben. Viele von ihnen hatten ursprünglich etwas ganz anderes vor. Doch dann kam alles anders. Heute leben sie in einem anderen Land, in dem ihr Traum keinen Platz mehr hat. Oder sie sind in einer Stadt, in der sich andere Möglichkeiten bieten. Wir befragen sie nach ihrer Arbeit und den Träumen, die sie einmal hatten. Und wir machen Portrait-Fotos von ihnen an ihrer Arbeitsstelle.
Der Hintergrund: Arbeit steht im Zentrum des gesellschaftlichen Norm- und Wertegefüges. Glatt verlaufende Arbeitsbiografien sind in den letzten Jahren selten geworden – bei MigrantInnen erster Generation sind krasse Brüche ihrer Arbeitsbiografien geradezu immanent. Das Thema ist aus der Mitte des Lebens vieler Berliner gegriffen und von lebensbestimmendem Belang. Wir möchten die öffentliche Aufmerksamkeit für migrantische Arbeitsbiografien schärfen.
Sehriban Özdemir, Projektteilnehmerin: “Ich wünschte, dass die Menschen dieser Gesellschaft, die doch so stark vom Individualismus geprägt ist, lernen könnten, die Migranten nicht auf deren kulturelle Identität zu reduzieren, sondern sie auch als Individuum wahrzunehmen. Auch persönliche Hintergründe prägen den Einzelnen und reduzierte Klischees können sehr verletzend sein.”
Mohammad El-Masri

„In Irbid in Jordanien bin ich geboren. Ich habe „Digitale Steuerungssysteme” studiert. Jetzt habe ich den schönsten Job der Welt: ich bin Eisverkäufer. Wer bei mir kauft ist guter Laune.”


